23.01.07

Alexander Osang ist aus New York zurück nach Berlin gezogen und schreibt darüber, hervorragend wie immer.

Als die Else nach einigen Jahren aus New York wieder zurückkam, war es wirklich schade um ihr new york tagebuch, aus dem dann das leipzig tagebuch wurde. Und das Leben in Leipzig ist - hier räuspern wir uns leicht, sagen "mhm, nunja..." und führen den Gedanken nicht weiter aus. Kurz gesagt, lese ich das leipzig tagebuch nur noch aus alter Anhänglichkeit, weil das new york tagebuch mir täglich wichtig und lieb war, so wie man sich manchmal von einem alt und langweilig gewordenem Partner nicht trennt, weil da gab es doch mal diese Liebe, und vielleicht reisst er sich ja mal zusammen, und alles wird wieder besser, so wie damals...

Die Frage ist ja, wie wir uns durch wechselnde Lebensumstände, Orte, Menschen, Kulturen verändern. Und wann wir am meisten "wir selbst" sind. Oder auch, wann wir am meisten angepasst sind, uns am meisten bemühen, unauffällig und angepasst zu sein, uns zu verbiegen, um dazuzugehören. Es scheint so, dass in diesem Land hier Anpassung ganz besonders verlangt wird. So steht es bei Osang und so sieht man es bei Else (Jedenfalls kam ich mit diesem ruppigen Amazonen-Look aus New York, flache Schuhe, kurze Haare, Rolli. Udo Foht sagte: Die weibliche Rolle, det ist wohl nüscht für Sie, Frau Buschheuer. Das werden wir ja sehen, dachte ich, dann spiele ich die weibliche Rolle, wenn ich schon als Ostkartoffel versage. Hab’ mir die Haare wachsen lassen und die Fingernägel. Hackenschuhe. Hier ein Blüschen, da ein Strähnchen, dort ein Kettchen. ).

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